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Vulkanausbruch und Tropensturm in Guatemala

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Wir haben von Sonja Perkic, einer jahrelangen Mitarbeiterin und Projektbetreuerin der SoL, die seit 10 Jahren in Guatemala lebt, einen Bericht aus erster Hand bekommen, den wir Ihnen/Euch hier wiedergeben:

(Anm.: Ausschnitte aus Berichten vom 01. und 02. Juni 2010):

Heute (Anm. 01. Juni 2010) melde ich mich mit einer “Zwischenbilanz” aus Guatemala, wo wir gerade sehr schwierige Tage erleben. Vergangenen Donnerstag (Anm. 27. Mai 2010) gab es einen heftigen Vulkanausbruch des Vulkans „Pacaya“, 70 km südlich der Hauptstadt Guatemala. Hunderte Familien konnten evakuiert werden, jedoch sind mehrere Duzend von Häusern und die Felder der Kleinbauern zerstört. An diesem Tag bebte es ununterbrochen, und der Regen verteilte den Vulkansand im halben Land, vor allem ging er aber über die Hauptstadt nieder, die Freitag morgen im absoluten Chaos erwachte und die Stadt lahm legte. Die Lava wurde bis zu einen Kilometer in die Höhe geschnellt. Der Druck wurde so hoch, dass zwei zusätzliche Krater entstanden, der Lavafluss ist 8 km lang und 1 km breit, ungefähr.

Das alleine hätte schon gereicht, jedoch….hat der Tropensturm „Agatha“ ab Freitag Nacht Guatemala heimgesucht, das tropische Tief hat sich über Guatemala am Samstag zu einem Tropensturm verwandelt (Vorstufe zum Hurrikan) und Guatemala schlimmer zugerichtet, als vor ein paar Jahren die Hurrikane Stan (2005) und Mitch (1998): Das ganze Küstengebiet ist überflutet, sämtliche Flüsse sind aus den Ufern getreten, im Hochland sind hunderte von Muren abgegangen und haben Straßen, Felder und Dörfer verschüttet. Man spricht von über 75.000 direkt betroffenen Menschen. Unzählige Brücken und Straßen sind weggeschwemmt, unzählige Dörfer und Siedlungen abgeschnitten. Der Vulkansand hat einige wichtige Stromaggregate lahmgelegt, also gibt es unregelmäßige bis gar keine Stromversorgung.

Bis Sonntag früh hat es ununterbrochen geregnet; viele, viele Häuser sind durch abgegangene Muren verschüttet worden, mit ihnen ganze Familien. In meiner Nachbarschaft hat sich die Erde aufgetan und ein ganzes Familienhaus in ein 50 m tiefes Loch verschluckt.

Am meisten ist die arme Bevölkerung betroffen, wie immer. Tausende von Menschen leben in der Hauptstadt in ihrer Not in Slums in erbärmlichen an die Hänge gebauten „Häusern“ (Guatemala Stadt ist von unzähligen Schluchten „zerklüftet“, die mit Brücken miteinander verbunden werden). Genau diese Häuser sind es, die zuerst abgerutscht sind. Mit ihnen die Menschen, die darin wohnen, vor allem Kinder, da sie um diese Uhrzeit schon geschlafen haben. Ganze Familien wurden ausgelöscht.

Die offizielle Zahl der Toten liegt derzeit bei knapp hundert Personen und ebenso vielen Vermissten. Knapp tausend Familien wurden auf einen Schlag obdachlos. Genaue Zahlen gibt es noch nicht. Ich weiß nicht, wie ich meine Betroffenheit zum Ausdruck bringen soll.

(Anm. 02. Juni 2010):
Nach diesen fürchterlichen Tagen ist das Land sehr mitgenommen. Überschwemmungen, Lavaflüsse, zerstörte Infrastruktur (Brücken, Straßen), verschüttete Häuser und Dörfer..... Die am meisten betroffenen Gebiete sind Südküste, Hauptstadt, Izabal, Zacapa, Quiché (Lago Atitlán völlig isoliert), Chimaltenango, Quetzaltenango (viele verschüttete Häuser um Zunil), Huehuetenango, San Marcos.....

Im Vergleich zu vorherigen Naturkatastrophen reagierte die Regierung diesmal relativ gut, soweit das in diesem Chaos möglich ist, aber es fehlt halt hinten und vorne an Geld.....

es grüsst euch
eure sonja

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Die Landarbeiterbewegung CODECA, die im gegenwärtigen Katastrophenfall vor Ort in den am schlimmsten betroffenen Gebieten konstruktive Hilfe leistet, ist ein langjähriger Projektpartner der SoL. Wir übernehmen es gerne Ihre/Eure Spenden an die Codeca direkt weiterzuleiten.

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Wie sooft sind die ärmsten Gebieten am schlimmsten betroffen. Wir hoffen umso mehr, dass unsere Projekte einen nachhaltigen Beitrag zur positiven Entwicklung im Land leisten um den Umgang mit immer wieder kehrenden Naturgewalten bestmöglich zu bewältigen.