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SOLIDARITÄT MIT LATEINAMERIKA STEIERMARK

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MIRIAM, Bildungsprojekte zur Frauenförderung in Guatemala

 

Der Verein MIRIAM- Bildungsprojekt zur Frauenförderung Guatemala wurde 1996 gegründet um guatemaltekische Frauen, insbesondere indigener Abstammung, welche bei der Ausübung ihres Rechts auf Bildung oft Diskriminierungen ausgesetzt sind, den Zugang zur Universität zu ermöglichen. MIRIAM versteht sich als interkulturelle Organisation, in der Frauen aus verschiedensten Kulturen und auch Ländern zusammenarbeiten. Der Mittelpunkt ihrer Arbeit ist eine Gleichstellung der Frauen und ihrer Rechte auf ein Leben mit Bildung und ohne Gewalt.

SoL- Steiermark unterstützt die Stipendienprojekte von MIRIAM seit 2011. Von 2011 bis 2013 wurde das Projekt "Liebe, Sexualität und Familienplanung im Kontext der Mayakultur“ unterstützt und von 2010 bis 2011 das Projekt "Ein Tor in die Zukunft für Gewaltopfer". Das Projekt zur Hilfe von Gewaltopfern geht nun in die zweite Phase und wird weiterhin unterstützt.

Im Rahmen des Aufklärungsprojekts wurden mehr als 400 Schüler und Schülerinnen und knapp 70 Lehrerinnen und Lehrer in verschiedenen Themenbereichen geschult sowie didaktische Materialien erarbeitet. Die bearbeiteten Themen sind „Liebe in der Mayakultur“, „Den eigenen Körper und die Sexualität kennen lernen“, „Methoden der Familienplanung“, „Sexuelle und reproduktive Rechte“. Die genannten Themen wurden in Workshops mit den Schülerinnen und Schülern auf interaktive Weise erarbeitet, so wurde unter anderem in Gruppen zusammengearbeitet, diskutiert, gezeichnet oder Zeitungsartikel verfasst. Zur Zeit befinden sich die Schüler und Schülerinnen in der Multiplikationsphase, wo sie auf kreative Weise die Themen zu denen sie in den letzten Monaten gearbeitet haben, den Mitschülerinnen und Mitschülern der gesamten Schule näher bringen sollen. Anfängliche Sorgen, dass die Zielgruppe das Projekt ablehnen könnte, weil im ländlichen Guatemala viele Leute der Familienplanung äußerst kritisch gegenüberstehen, haben sich als unberechtigt erwiesen. Sogar ganz im Gegenteil: das Interesse ist enorm und sowohl der Bezirksschuldirektor, Lehrer und auch Eltern fragen nach, ob das Projekt im nächsten Jahr fortgeführt wird.

Mit dem Projekt "Ein Tor in die Zukunft" soll Mädchen und Frauen geholfen werden die Opfer von Gewalttaten wurde. Diese Hilfe erfolgt durch Stipendien für ihre Grundschul- beziehungsweise Sekundarschulabschluss und berufsbildende Kurse sowie Workshops und fachliche psychosoziale Gruppenbegleitung durch die Stiftung Sobrevivientes und Ärzte ohne Grenzen. Durch die Ausbildung wird den Mädchen und Frauen geholfen persönliche und ökonomische Unabhängigkeit zu erlangen um somit den Kreislauf von Armut und Gewalt zu durchbrechen. Die psychosoziale Begleitung soll den Frauen und Mädchen helfen ihre Traumata zu bewältigen und sie bei neuen Lebensprojekten unterstützen.

Diese Art von Projekt ist besonders in Guatemala sehr wichtig, da hier Gewalt an Frauen ein großes Problem darstellt. Von 2008 bis 2012 wurden jährlich bis zu 700 Frauen ermordet und auch die innerfamiliäre Gewalt stellt mit zwischen 2008 und 2011 238 914 betroffenen Frauen und Mädchen ein großes Problem dar. Dies wird unterstrichen von einer Umfrage der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation des Jahres 2012, laut welcher 24.5% aller befragten Frauen physischen Gewaltakten ihrer Partner ausgesetzt sind, 17.7% sogar extremer körperlicher Gewalt. Jedoch werden die meisten Straftaten nicht, oder höchst ineffizient verfolgt sodass von 20 389 registrierten Fällen nur 2.9% auch mit einer Verurteilung enden. Besonders gefährdet sind jedoch vor allem indigene Frauen und Mädchen vom Land oder Bewohnerinnen der Elendsviertel durch ihre Situation der Armut, des sozialen Ausschlusses und des Rassismus. Aus diesen Gründen wurde 2010 das Projekt „Ein Tor in die Zukunft für Gewaltopfer“ ins Leben gerufen. Zwischen 2010 und 2011 wurden im Rahmen des Projektes 30 Frauen und Mädchen unterstützt, wovon sechs die Volksschule, sechs den ersten Zyklus der Mittelschule, und sieben die Schule mit der für Guatemala äquivalenten Matura abgeschlossen habe. Vier Stipendiatinnen wurden mehrmals für ihre exzellenten akademischen Leistungen ausgezeichnet und nur fünf haben ihre Schulausbildung aus verschiedenen Gründen, wie Schwangerschaften, Umzüge oder Drohungen abgebrochen. Von den sieben Stipendiatinnen mit Maturaabschlüssen, haben vier die Zugangsprüfungen zur Universität bestanden und drei studieren derzeit. Acht haben permanente Anstellungen gefunden, die ihre Lebensbedingungen verbessern konnten. Wegen des großen Erfolges und der Wichtigkeit des Projektes für die Frauen und Mädchen soll es nun in die zweite Phase gehen. In der zweiten Projektphase möchte MIRIAM, die individuelle psychologische Beratung verstärken und gruppentherapeutische Betreuung nach der Mayakosmovision einführen. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass es wichtig ist dass diese Betreuungsmaßnahmen von MIRIAM angeboten werden, denn die Organisationen, die die Stipendiatinnen an MIRIAM verweisen, bieten nur eine Notfalls- und Basisunterstützung an, die oft nur ein paar Monate dauert. Desweiteren wird die Komponente der berufsbildenden Kurse und der einkommensschaffenden Aktivitäten verstärken, da es für die Frauen und Mädchen notwendig ist, in relativ kurzer Zeit, ein Einkommen zu sichern, damit sie eine Basis haben, das langfristige Ziel der formellen Bildung der Verbesserung ihrer Lebenssituationen zu erreichen.

Die Herangehensweise der Projekte zeigt, dass die Unterstützung von MIRIAM nicht nur eine finanzielle ist sondern ein ganzes Programm von Weiterbildungsmöglichkeiten ebenso wie, unter anderem, psychologische Betreuung der Stipendiatinnen umfasst. Darüberhinaus gibt es auch monatliche Treffen der Stipendiatinnen welche von lokalen Koordinatorinnen geleitet werden. In diesen Treffen werden viele Themen diskutiert wie zum Beispiel Gender-Gerechtigkeit, Gewaltprävention und die Bedeutung und der Wert der Identität als Maya-Frau in Guatemala. Die Koordinatorinnen sind oft selbst Absolventinnen des Stipendienprogrammes und sind für die Stipendiatinnen auch außerhalb dieser monatlichen Treffen erreichbar und stellen mit ihrer Beratung und auch psychologischer Betreuung eine wertvolle Unterstützung für diese dar. Auch die Arbeitssuche der Stipendiatinnen wird von MIRIAM durch Workshops über die Ausarbeitung von Lebensläufen und das Versenden von Empfehlungsschreiben unterstützt.

Mit diesem nachhaltigen Konzept zur Förderung der Ausbildung indigener Frauen wird für die Frauen ein Grundstein für bessere Möglichkeiten am Arbeitsmarkt geschaffen. Darüber hinaus wird ihr Selbstvertrauen gestärkt und durch zusätzliche Workshops werden sie über ihre Rechte aufgeklärt um sich gegen diskriminierende oder unzureichende Arbeitsbedingungen auch wehren zu können.

 

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